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Ohrgeräusche (Tinnitus): Therapien bei chronischem Tinnitus

Ständige Ohrgeräusche stören sehr. Aber manchmal gelingt es, die Dauertöne weniger zu beachten, sie schließlich zu überhören. Dabei helfen spezielle Hörsysteme und kombinierte Therapieprogramme
aktualisiert am 03.04.2017

Individuell abgestimmt: Rauschgeräte zur Tinnitusbehandlung stellt die Hörgeräteakustikerin passend ein. Probieren Sie das Gerät zuerst einige Zeit aus

W&B/Ronald Frommann

Chronischer Tinnitus: Therapiewege wirkungsvoll kombinieren

Lassen Sie sich auch bei einem dauerhaften Tinnitus nicht entmutigen. Hier kommen umfassende Behandlungsstrategien zum Einsatz. Sie zielen darauf ab, zum einen den störenden Höreindruck zu verdrängen. Das geschieht zum Beispiel mit speziellen Hörgeräten oder "Rauschern", die die Wahrnehmung so umlenken, dass das Ohrgeräusch immer mehr in den Hintergrund tritt. Als sinnvoll hat sich dazu ein sogenanntes Tinnitus-Counseling mit Bewältigungstraining erwiesen.

Entspannungstechniken, Biofeedback sowie psychotherapeutische Beratung helfen zum anderen, Stress zu verringern und Lebensprobleme aufzuarbeiten. Besonders positive Ergebnisse konnte vielfach eine speziell auf die Tinnitus-Problematik ausgerichtete kognitive Verhaltenstherapie erzielen.

Viele HNO-Ärzte und Kliniken bieten Tinnitus-Sprechstunden an. Manchen Betroffenen, vor allem wenn sie unter schweren Tinnitus-Formen leiden, hilft der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik (Tinnitus-Klinik). Unterstützung und Informationen finden Menschen mit Tinnitus auch bei Selbsthilfegruppen.

Tinnitus-Counseling, Bewältigungstraining

Wer unter chronischen Ohrgeräuschen leidet, profitiert zunächst davon, wenn er mehr über sein Leiden weiß. Es ist hilfreich, wenn sein Arzt ihn eingehend darüber aufklärt, wie Tinnitus entstehen und welche Bedeutung er für Körper und Seele einnehmen kann. Dabei ist es wichtig, dass der Betroffene seinen Leidensdruck offen schildert und sich ernst genommen fühlt. Schließlich geht es darum, genauer zu analysieren, wann die Töne besonders stören, wann sie eher zurückgehen oder eventuell gar nicht mehr zu hören sind. Diese Form der Beratung und Aufklärung heißt Tinnitus-Counseling. Sie stellt einen wesentlichen Schritt dar, um den Tinnitus individuell zu bewältigen und geeignete Maßnahmen dafür zu finden.

Speziell ausgebildete HNO-Ärzte sowie Psychotherapeuten bieten Verfahren an, die geeignet sind, besser mit chronischen Ohrgeräuschen umzugehen. Die Betroffenen lernen in Einzel- oder Gruppentherapien, wie sie sich gezielt ablenken können. Sie erfahren, dass sie das Rauschen, Pfeifen oder Summen mit angenehmer Musik oder Hörbüchern übertönen können. Auch unterschiedliche Phantasiereisen eignen sich dazu, die Dauergeräusche mit angenehmen Empfindungen zu verknüpfen.

An der Uni Trier entwickelten Forscher zum Beispiel ein Trainingsprogramm, das Tinnitus-Betroffene am heimischen Computer benutzen können: Die Übungen zur Entspannung und Ablenkung dauern jeweils 25 bis 40 Minuten. Neben gesprochenen Anleitungen wirken zusätzlich Licht- und Wärmereize auf die Übenden ein. Das soll dazu beitragen, dass die Betroffenen sich noch intensiver entspannen und ablenken können. Tinnitus-Patienten erhalten eine Einführung und trainieren anschließend in der Regel vier Wochen lang täglich mit dem Programm.

Biofeedback: Den Ohrgeräuschen entspannter begegnen

Einige von Tinnitus Betroffene neigen zu Fehlhaltungen oder spannen in stressigen Situationen die Schulter-, Stirn- und Kiefermuskulatur übermäßig an. Mit Hilfe eines Biofeedback-Geräts lassen sich diese Muskelanspannungen auf einem Bildschirm sichtbar und hörbar machen. Der Betroffene erfährt so in mehreren Sitzungen, wie der eigene Körper auf psychische Überforderungen reagiert, und er trainiert, sich gezielt wieder zu entspannen. Eine Studie an der Uni Marburg zeigte, dass sich das Biofeedback bei 80 Prozent der Teilnehmer positiv auswirkte.

Eine Weiterentwicklung des Biofeedbacks ist das Neurofeedback. Hier lässt sich bei laufendem EEG (Elektroenzephalogramm, Messung der Hirnstromwellen) die Hirnaktivität überprüfen und sofort erkennen, wie sie sich etwa bei bestimmten Entspannungsübungen verändert. Auf diese Weise kann der Tinnitus aus der bewussten Aufmerksamkeit verschwinden.

Kognitive Verhaltenstherapie: Wieder aktiv – trotz Tinnitus

Wenn der Leidensdruck durch die ständigen Ohrgeräusche groß ist, erweist sich sehr häufig eine kognitive Verhaltenstherapie mit fünf bis 15 Sitzungen als sinnvoll. In Einzel- oder Gruppengesprächen lernen die Betroffenen, wie sie mit dem Tinnitus so umgehen, dass er den Alltag nicht mehr dauerhaft beeinträchtigt. Der positive Effekt ist unter anderem laut einer strengen Untersuchung des Deutschen Cochrane-Zentrums an der Uniklinik Freiburg eindeutig belegt. Viele Tinnitus-Spezialisten beziehen verhaltenstherapeutische Programme von Anfang an in die Therapie mit ein, oft schon wenn Ohrgeräusche akut auftreten. Besonders wirksam können kognitive Verhaltenstherapien auch in Kombination mit anderen Behandlungsprogrammen sein, etwa im Rahmen der Tinnitus-Retraining-Therapie.

Hörgeräte: Hilfreich bei Tinnitus und Schwerhörigkeit

Wenn sich ein Hörverlust und damit verbundene Ohrgeräusche mit oben genannten Methoden nicht erfolgreich behandeln lassen und die Schwerhörigkeit ein bestimmtes Ausmaß überschritten hat, sollten sich die Betroffenen frühzeitig ein Hörgerät anpassen lassen. Mit einem sorgfältig ausgewählten Gerät hören und verstehen sie besser, und bestimmte Ohrgeräusche stehen dann auch nicht mehr so stark im Vordergrund. Hörimplantate im Innenohr (Cochlea-Implantate) können vereinzelt für Menschen mit ausgeprägter Schwerhörigkeit als Behandlungsmöglichkeit infrage kommen.

Rauschgeräte: Tinnitus-Masker, Tinnitus-Noiser

Ausgehend von der Theorie, dass sich Höreindrücke über bestimmte Assoziationen beeinflussen lassen (Pawel Jastreboff, siehe dazu Kapitel "Psychische Ursachen"), entwickelten Fachleute spezielle Töne zur Tinnitusbehandlung. Diese sollen helfen, die Aufmerksamkeit von den Ohrgeräuschen wegzulenken und sie so mehr und mehr in den Hintergrund zu drängen. Die Tinnitus-Betroffenen hören ein Rauschen über ein entsprechendes Hörgerät.

Bei einem Tinnitus-Masker übertönt, "maskiert" das Geräusch den Tinnitus und soll ihn schließlich auslöschen. Einige Menschen erleben einen Trainingseffekt schon nach zwei Monaten. Klinische Studien zeigten jedoch, dass solche Masker oder Noiser (siehe unten) nicht garantieren, dass die Ohrgeräusche ganz verschwinden. Es gibt auch CDs mit entsprechenden Verdeckungsgeräuschen, die Tinnitus-Betroffene dann zum Beispiel über Kopfhörer beliebig lange anhören können.

Ein Tinnitus-Noiser erzeugt dagegen Geräusche, die den Tinnitus nicht überdecken, sondern als Hintergrundrauschen von ihm ablenken. Das Gehirn lässt sich so mit der Zeit möglicherweise auf andere Wahrnehmungen umtrainieren, der Tinnitus steht dann nicht mehr so im Vordergrund und wird erträglicher. Tinnitus-Betroffene tragen das Gerät wie ein Hörgerät mindestens sechs Stunden am Tag. Es ist mitunter bis zu zwei Jahre und mehr im Einsatz, idealerweise im Rahmen einer Tinnitus-Retraining-Therapie. Eventuell können auch CDs oder andere Geräuschquellen einen gewünschten Geräuschpegel im Hintergrund erzeugen.

Tinnitus-Retraining-Therapie

Viele Tinnitus-Therapeuten empfehlen, Tinnitus-Masker oder Tinnitus-Noiser mit einem Bewältigungstraining, verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und Entspannungstechniken zu kombinieren. Bei einer solchen umfassenenden Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT, von engl. retrain = zurücktrainieren) lernen Tinnitus-Geplagte schrittweise, die Ohrgeräusche nicht mehr als störend wahrzunehmen. Ziel ist es, dass die inneren Töne keine belastende Rolle mehr spielen oder ganz aus dem Bewusstsein weichen.

Musiktherapien: Musizieren mit den Dauertönen

Verschiedene Forschungszentren in Deutschland haben Modelle entwickelt, die in unterschiedlicher Form Musik als Mittel einsetzen, um quälenden Ohrgeräuschen aktiv auf der Ebene des Hörens zu begegnen.

Macht sich zum Beispiel der chronische Tinnitus als ein ständiges Pfeifen bemerkbar, bietet sich unter anderem eine spezielle musiktherapeutische Vorgehensweise an. Dabei singt der Betroffene seinen eigenen Ton zunächst so genau wie möglich nach. Wenn der Sinusgenerator die Frequenz ermittelt hat, wird die Zahl der Schwingungen halbiert und dieser "ähnliche" Ton aufgezeichnet. Der Tinnitus-Patient singt diesen neu gefundenen Ton nach, unterstützt oft durch von ihm gewählte Instrumente. Das Lernprogramm mit solchen Resonanzübungen dauert 50 Minuten und erstreckt sich über etwa zehn Sitzungen.

Der Effekt: Die Gesichtsnerven reagieren auf den "ähnlichen" Ton und regen die Hörnerven und das Hörzentrum im Gehirn an. Die Symptome verbessern sich auf diese Weise bei fast 80 Prozent der Testpersonen, die Erfolge halten mindestens drei Monate an – das ergaben Studien an der Fachhochschule Heidelberg.

Tinnitus-Counseling (siehe oben), verhaltenstherapeutische Programme und Entspannungsübungen gehören oft zu einer umfassenden Musiktherapie dazu.

– Klassische Musik

Forscher an der Uni Münster versuchen, die für den Tinnitus verantwortlichen Nervenzellen in der Hörrinde des Gehirns daran zu hindern, "Amok" zu laufen. Der Trick: Die Wissenschaftler wählen Musikstücke mit einem großen Frequenzspektrum aus, wie sie vor allem die klassische Musik zu bieten hat, und bearbeiten die Klänge nach gewissen Kriterien. Die Tinnitus-Patienten hören sich eine von ihnen ausgesuchte und entsprechend veränderte Musik ein bis zwei Stunden pro Tag an.

Psychosomatische Tinnitus-Kliniken

Menschen, die ständige und vor allem besonders laute Ohrgeräusche haben, fühlen sich zeitweilig so stark psychisch und körperlich belastet, dass ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik ratsam ist. In Deutschland gibt es eine Reihe von Kliniken, die umfassende Behandlungen speziell für Tinnitus-Patienten anbieten. Die Betroffenen können dort im Rahmen von Einzel- und Gruppentherapien ihre privaten und beruflichen Probleme einschließlich der Tinnitusproblematik besser als zu Hause bearbeiten.



Bildnachweis: W&B/Ronald Frommann
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